Sexualpädagogische Konzepte in Kitas

Warum brauchen Kitas ein sexual-pädagogisches Konzept?

Pädagogische Fachkräfte, Leitungen, Familien und Kinder brauchen Sicherheit darüber, was in der Kita okay ist und was nicht. Das Konzept muss entwickelt werden, weil sonst keine Klarheit darüber herrscht, wie die Fachkräfte mit Kindern umgehen, was sie genau fördern, schützen und wo sie Kinder beteiligen. Es orientiert sich an Gesetzen, dem Bildungsplan des jeweiligen Bundeslandes und den UN-Kinderrechten, der UN-Behindertenrechtskonvention und den UN-Menschenrechten.

In einem sexualpädagogischen Konzept hält das Kitateam z. B. fest, was unter kindlicher sexueller Entwicklung zu verstehen ist und wodurch Grenzverletzungen und sexuelle Übergriffe durch Kinder gekennzeichnet sind. Das Team beschreibt, welche Regeln in der Kita wichtig sind, damit die Kinder eine Orientierung, z. B. für Körpererkundungsspiele oder Nacktheit allgemein haben. Auch können wiederkehrende Projekte, Angebote in den Gruppenräumen und die Umsetzung einer geschlechterreflektierenden Pädagogik beschrieben werden.

 werden Beratungsadressen im Konzept benannt, mit denen die Kita kooperiert oder bei Bedarf Kontakt aufbaut. Für Familien werden Ansprechpersonen aus der Kita für Fragen benannt und Beratungsadressen, z. B. wenn ein sexueller Übergriff durch ein Kind in der Kita passiert ist, eingefügt. Im besten Fall gibt es Schaubilder, die klar darstellen, wie das Kitateam im Falle eines sexuellen Übergriffs durch ein Kind handelt und wie die Bezugspersonen einbezogen werden. 

Was gehört zur Sexualpädagogik?

Sexuelle Bildung im Kita-Kontext umfasst viele Bereiche. Die Inhalte sind stets weiter zu reflektieren, weil vieles davon mit der eigenen Biografie zu tun hat. Allgemein gehören zur sexuellen Bildung für das Team z. B. folgene Aspekte dazu:

  • Gendersensibilität
  • Diskriminierungssensibilität
  • psychosexuelle Entwicklung von Kindern kennen und begleiten
  • Grenzen wahrnehmen, erkennen und achten
  • entwicklungsgerechte Aufklärung rund um Schwangerschaft, Geburt und Zeugung
  • sexualfreundliche Haltung als Fachkraft 
  • Kultur des Sprechens entwickeln
  • Diversität in Bezug auf Sexualität anerkennen und einbeziehen (z. B. Regenbogenfamilien , Trans* und Inter* Personen mitdenken. geschlechtliche Vielfalt anerkennen
  • Auffälligkeiten erkennen und fachlich einordnen können, bei Bedarf Beratung hinzuziehen
  • Prävention sexualisierter Gewalt umsetzen
  • Täter*innenstrategien kennen und bei Verdacht aktiv werden, Kinderschutz anwenden
  • UN-Rechte als Grundlage für Sexuelle Bildung kennen und für alle in der Einrichtung ermöglichen / umsetzen
  • uvm.

„Sexuelle Bildung braucht Mut in diesen Zeiten, weil es politischer denn je ist.

Kinder brauchen zugewandte, offene Fachkräfte in der Kita, die aufhören, alles rund um Körper, Identität, Geburt, Schwangerschaft und noch vieles mehr zu tabuisieren sowie die heterosexuelle Kleinfamilie als Norm darzustellen. Es braucht Fachkräfte, die entwicklungsgerechte Antworten auf Fragen der Kinder geben und sie in ihrer psychosexuellen Entwicklung begleiten.“

Nina-Louisa Hebeler